Pressemitteilung
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30.06.2011
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Natur- und Artenschutz - Aktionsplan "Biologische Vielfalt" - Regierungspräsident Johannes Schmalzl und der Erste Landesbeamte Dr. Ulrich Derpa begrüßen Engagement der Firma Zeller Natursteinwerke aus Umpfenbach bei Freudenberg (MTK) für die Gelbbauchunke - Verbesserung der Laichbedingungen im Steinbruch Ebenheid besichtigt
Am Donnerstag den 30. Juni 2011 besuchten Regierungspräsident Johannes Schmalzl und der Erste Landesbeamte des Main-Tauber -Kreises Dr. Ulrich Derpa den Steinbruch der Franz Zeller GmbH & Co. KG - Natursteinwerke bei Freudenberg (Main-Tauber-Kreis). Hier engagiert sich die Firma in ihrem Steinbruch über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus für dort lebende aber in Baden-Württemberg stark gefährdete Gelbbauchunke. Regierungspräsident Schmalzl: „Allen am hiesigen Amphibienschutz Beteiligten möchte ich für Ihren Einsatz danken. Sie nehmen dadurch die Verantwortung, die Baden-Württemberg besonders für die Gelbbauchunke trägt, ernst.“
In Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Stuttgart und dem Landratsamt Main-Tauber-Kreis als zuständige Naturschutzbehörden hat das in Umpfenbach ansässige Unternehmen gemeinsam mit der ehrenamtlich tätigen NABU Gruppe Main-Wildbach schon im April diesen Jahres eine Artenschutzmaßnahme für die in Baden-Württemberg gefährdete und europaweit geschützte Gelbbauchunke durchgeführt: Mit größerem, auch maschinellem Aufwand wurden zahlreiche große Steinquader aus dem nicht mehr aktiv genutzten Steinbruch entfernt. Die dadurch neu entstandene Fläche von ca. 30 m² wurde zunächst mit Wasser gefüllt und wird seither von Niederschlagswasser gespeist. Sie steht der Gelbbauchunke seit April als Laichgewässer zur Verfügung, in dem sich ihr Laich zu Kaulquappen und diese zu Jungtieren entwickeln können. Mittels des eingesetzten schweren Radladers wurde außerdem an einer zusätzlichen Stelle auf dem Steinbruchgelände eine flache Geländemulde verdichtet. Der Boden ist an dieser Stelle seitdem stark wasserundurchlässig, so dass das Niederschlagswasser längere Zeit stehen bleibt. Auch hier können die Gelbbauchunke und andere Amphibien ablaichen.
Dieses freiwillige Engagement der Firma Zeller stieß auf Interesse des Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl. Gemeinsam mit Dieter Braun von der Geschäftsführung der Zeller Natursteinwerke, dem Ersten Landesbeamten Dr. Ulrich Derpa, Reinhard Wolf, Referatsleiter Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Freudenbergs Bürgermeister Heinz Hofmann und Vertretern der NABU Gruppe Main-Wildbach besuchte er deshalb den Steinbruch und nahm die neuen Biotopgestaltungen in Augenschein.
Der ursprüngliche Lebensraum der Gelbbauchunke (Nomen est omen) sind die Auen natürlicher Fließgewässer. Hier stehen ihr regelmäßig überschwemmte Bereiche mit Klein- und Kleinstgewässern zur Laichablage und Entwicklung der Kaulquappen zur Verfügung. Diese oft nur für relativ kurze Zeit vorhandenen Kleinstgewässer haben für die Unke den Vorteil, dass sie i.d.R. gut besonnt sind, so dass das Wasser sich auf die notwendigen Temperaturen erwärmen kann. Auch Fressfeinde gibt es in diesen Tümpeln keine. Doch durch Begradigungen und andere menschliche Eingriffe in die Fließgewässersysteme ging diese natürliche Überschwemmungsdynamik vielerorts verloren. Die Gelbbauchunke ist deshalb auf sogenannte Sekundärbiotope angewiesen. Das können z.B. Lehmgruben, Steinbrüche oder sogar lediglich verdichtete Fahrspuren im Wald sein, in denen sich Wasser über einen längeren Zeitraum halten kann.
Das Engagement für die kleine Amphibienart mit den herzförmigen Pupillen kam im Rahmen des Aktionsplanes „Biologische Vielfalt“ zustande. Der Aktionsplan verfolgt die Ziele, die biologische Vielfalt zu fördern und das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Ein zentraler Baustein dieses Aktionsplans ist der so genannte „111-Artenkorb“. Er beinhaltet 111 Tier- und Pflanzenarten, für die das Land Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung trägt. Eine dieser Tierarten ist die Gelbbauchunke. Alle gesellschaftlichen Gruppen und auch Einzelpersonen sind aufgerufen, sich für eine oder mehrere Arten zu engagieren. Bei Interesse sind das Referat 56 des Regierungspräsidiums Stuttgart sowie das Umweltschutzamt im Landratsamt Main-Tauber-Kreis die richtigen Ansprechpartner, zudem sind im Internet unter www.aktionsplan-biologische-vielfalt.de viele weitere Informationen und Projektbeispiele abrufbar.
Informationen zur Firma Franz Zeller GmbH & Co. KG:
Das Unternehmen wurde 1890 gegründet und beschäftigt 25 Mitarbeiter, die sich der Be- und Verarbeitung von Sandsteinen widmen. In eigenen Steinbrüchen in Dietenhan, Eichenbühl und Ebenheid wird Sandstein abgebaut und gelagert. Das Leistungsspektrum reicht von der Herstellung einfacher Platten oder Werkstücke bis hin zu den anspruchsvollsten Steinmetzarbeiten.
Franz Zeller GmbH & Co. KG
Natursteinwerk-Steinmetzbetrieb
Büro und Werk
Eichenbühler-Str. 11
63930 Umpfenbach
Tel.: 09378 777 Fax: 09378 779
info@mainsandstein.de und www.mainsandstein.de
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Zusatzinformationen:
Das FFH-Gebiet „Sandstein-Spessart“
Der Steinbruch Ebenheid liegt im FFH-Gebiet „Sandstein-Spessart“. Für dieses Gebiet wurde ein Managementplan aufgestellt, in dem Erhaltungs- und Entwicklungsziele insbesondere auch für die Gelbbauchunke vorgesehen sind. Die Entfernung der Steinquader am 19.04.2011 ist bereits ein erster Schritt zur Umsetzung dieser Ziele. Die Endfassung des Managementplans „Sandstein-Spessart“ wird voraussichtlich im Juli 2011 veröffentlicht, z.B. im Internet unter www.lubw.de
Was bedeutet „FFH-Gebiet“?
FFH-Gebiete sind Schutzgebiete, die auf Grundlage der europäischen „FFH-Richtlinie“ (Fauna-Flora-Habitat) in den EU-Staaten ausgewiesen wurden. Gemeinsam mit den europäischen Vogelschutzgebieten, deren gesetzliche Grundlage die Vogelschutz-Richtlinie ist, bilden sie das europäische Schutzgebietsnetz „Natura 2000“.
Weitere Informationen zum Thema biologische Vielfalt = Biodiversität
Biologische Vielfalt oder auch Biodiversität bezeichnet die Vielfalt allen Lebens. Die Vielfalt an Arten, die Vielfalt an Lebensräumen, aber auch die genetische Vielfalt in-nerhalb der Arten. Kein Lebewesen existiert alleine, alle sind sie über mannigfaltige Wechselbeziehungen untereinander und mit ihrer Umwelt verknüpft und bilden ein einzigartiges Netz des Lebens. Rund zwei Millionen Arten sind bekannt (Quelle: Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP)). Es ist aber davon auszugehen, dass dies nur ein Bruchteil der tatsächlich vorkommenden Arten ist. Nach Schätzungen von Experten ist von rund 14 Millionen Arten auszugehen.
Doch diese Vielfalt ist in Gefahr. Die Geschwindigkeit, mit der heute Arten für immer von unserem Planeten verschwinden, ist alarmierend hoch. Wissenschaftliche Schätzungen gehen von 10.000 bis 25.000 Arten aus, die jährlich aussterben, das entspricht ein bis drei Arten pro Stunde. Auch zahlreiche Ökosysteme sind in Gefahr. In Deutschland leben 40.000 bis 50.000 Tierarten und ca. 20.000 Pflanzenarten, rund 75 Prozent davon sind in Baden-Württemberg beheimatet. 30 bis 40 Prozent der baden-württembergischen Flora und Fauna sind als gefährdet einzustufen (Quelle: Naturschutz-Info 1/2008 der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW)).
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