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Pressemitteilung

07.07.2011


Aktionsplan "Biologische Vielfalt" - Ein großer Konzern und ein kleiner Schmetterling sind Partner - Schuler AG aus Göppingen setzt Patenschaft für den seltenen Kreuzenzian-Ameisenbläuling im Naturschutzgebiet "Kaltes Feld" bei Lauterstein-Nenningen fort - Regierungspräsident Johannes Schmalzl: "Beispielhaftes Engagement für den Artenschutz"


Die Schuler AG ist Weltmarktführer für Umformtechnik mit mehreren Werken in Baden-Württemberg und hat im Rahmen des Aktionsplans Biologische Vielfalt des Landes eine Patenschaft für den Kreuzenzian-Ameisenbläuling übernommen. Im Rahmen dieser Patenscaft unterstützt sie die Erhaltung des Lebensraums dieser bedrohten Schmetterlingsart: die Wacholderheide.

Regierungspräsident Johannes Schmalzl würdigte heute das Engagement der Schuler AG für den Naturschutz durch die Einweihung einer Tafel über die Patenschaft der Schuler AG und die interessante Lebensweise dieses kleinen blauen Schmetterlings. „Das Engagement der Firma Schuler ist beispielhaft und soll auch andere motivieren, sich ebenfalls im Rahmen des Aktionsplanes des Landes zu engagieren“ so Schmalzl.

Hans Obermeier, Konzernsprecher der Schuler AG, betonte: „Im Verständnis der Schuler AG ist der Schutz der Natur ein Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmen. Das große Engagement unserer Azubis und Mitarbeiter bei diesem Projekt zeigt, dass dieser Anspruch bei Schuler auch wirklich gelebt wird.“
Bürgermeister Michael Lenz freute sich über eine Bank, die wie auch die Tafel von der Firma Schuler gespendet wurde. Sie lädt Spaziergänger und Wanderer zu einer kleinen Pause ein, um die Tafel in Ruhe zu studieren und die herrliche Landschaft zu genießen. Denn die landschaftsprägenden Wacholderheiden im Wechsel mit Wiesen und Wäldern bieten nicht nur Tieren und Pflanzen Lebensraum, sondern auch vielen Menschen Erholung und Ruhe.“

Heute kamen Auszubildende und Mitarbeiter der Firma Schuler AG aus Göppingen ins Naturschutzgebiet „Kaltes Feld“ bei Lauterstein-Nenningen, um eine blühende Wacholderheide in Augenschein zu nehmen. Unter sachkundiger Führung durch Fachleute des Regierungspräsidiums Stuttgart lernten sie den Lebensraum Wacholderheide mit seinen Pflanzen und Tieren und ihr „Patenkind“, den Kreuzenzian-Ameisenbläuling, näher kennen. Im Herbst vergangenen Jahres hatten sie bei der Pflege der Wacholderheide tatkräftig mitgewirkt und den steilen Hang des Kuhberges vom Mähgut frei geräumt. Um die Wacholderheide als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, muss der Mensch immer wieder eigreifen z. B. um Gehölzaufwuchs zu beseitigen bzw. um diesen zu verhindern.

Im Herbst wird ein zweiter Landschaftspflegeeinsatz der Auszubildenden der Firma Schuler am Kalten Feld folgen. Auch an anderen deutschen Standorten des Schuler Konzerns sollen in Zukunft solche Einsätze für das Patenkind, den Kreuzenzian-Ameisenbläuling, durchgeführt werden.


Zusatzinformationen:

Aktionsplan Biologische Vielfalt
Das Land Baden-Württemberg hat am 17. März 2008 den „Aktionsplan Biologische Vielfalt“ ins Leben gerufen. Ein zentraler Baustein des Aktionsplanes ist der „111-Artenkorb“. Darin wurden 111 Tier- und Pflanzenarten ausgewählt, für die Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung trägt. Der Kreuzenzian-Ameisenbläuling ist eines dieser ausgewählten Tiere. Ein Ziel der Landesregierung ist es, im Rahmen des Aktionsplans konkrete Maßnahmen zur Förderung dieser Arten umzusetzen und das Thema „Schutz der Biologischen Vielfalt“ in die Öffentlichkeit zu tragen, um viele Gruppen der Bevölkerung zum Mitmachen zu gewinnen. Im Rahmen des 111-Artenkorbs sind alle gesellschaftlichen Gruppen und auch Einzelpersonen aufgerufen, sich für eine oder mehrere Arten zu engagieren, um die biologische Vielfalt zu erhalten. Bei Interesse ist das Referat 56 des Regierungspräsidiums Stuttgart der richtige Ansprechpartner. Zudem sind im Internet unter www.aktionsplan-biologische-vielfalt.de viele weitere Informationen und Projektbeispiele abrufbar. Die Arten des 111-Artenkorbs sind besonders auf Hilfe angewiesen. Eine besondere Verantwortung ergibt sich daraus, dass diese Arten schwerpunktmäßig in Baden-Württemberg vorkommen. Es sind bunte und auffällige Arten darunter wie der Eisvogel, aber auch eher unscheinbare, deren Schönheit sich erst auf den zweiten Blick offenbart. Viele dieser Arten finden sich auf den „Roten Listen“ der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Baden-Württembergs.

Biologische Vielfalt oder auch Biodiversität bezeichnet die Vielfalt an Arten, die Vielfalt an Lebensräumen, aber auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Kein Lebewesen existiert alleine, alle sind sie über mannigfaltige Wechselbeziehungen untereinander und mit ihrer Umwelt verknüpft und bilden ein einzigartiges Netz des Lebens. Rund zwei Millionen Arten sind auf der Welt bekannt (Quelle: Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP)). Es ist aber davon auszugehen, dass dies nur ein Bruchteil der tatsächlich vorkommenden Arten ist. Nach Schätzungen von Experten ist von rund 14 Millionen Arten auszugehen. Doch diese Vielfalt ist in Gefahr. Die Geschwindigkeit, mit der heute Arten für immer von unserem Planeten verschwinden, ist alarmierend hoch. Wissenschaftliche Schätzungen gehen von 10.000 bis 25.000 Arten aus, die jährlich aussterben, das entspricht ein bis drei Arten pro Stunde. Auch zahlreiche Ökosysteme sind in Gefahr. In Deutschland leben 40.000 bis 50.000 Tierarten und circa 20.000 Pflanzenarten, rund 75 Prozent davon sind in Baden-Württemberg beheimatet. 30 bis 40 Prozent der baden-württembergischen Flora und Fauna sind als gefährdet einzustufen (Quelle: Naturschutz-Info 1/2008 der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg).

Der Kreuzenzian-Ameisenbläuling - ein Kuckuck unter den Schmetterlingen
Maculinea rebeli kommt in kalkreichen Magerrasen mit größeren Vorkommen des Kreuzenzians an warmen buschreichen Hängen vor.
Noch blauer als der Enzian ist die Oberseite des Kreuzenzian-Ameisenbläulings. Doch meist präsentiert er uns nur die graubraune, schwarz gefleckte Unterseite seiner zusammengeklappten Flügel. Wenn der Kreuzenzian im Juni seine Blütenknospen entwickelt, beginnt auch die Flugzeit der Falter, denn hier legt er seine Eier ab. Die kalkweißen Eier sind auf den Knospen und Blüten dieser Wirtspflanze gut zu erkennen. Nach dem Schlupf der Raupe wird es richtig spannend. Zunächst frisst sie sich in die Enzianblüte hinein. Im Spätsommer lässt sie sich dann zu Boden fallen, um von Ameisen in deren Ameisennest getragen zu werden. Dort verhält sie sich wie ein Kuckuck, lässt sich von den Ameisen füttern und vertilgt sogar den Winter über die Ameisenbrut. Nach der Verpuppung schlüpfen die Falter noch im Nest, nehmen dann aber schnell Reißaus, um ja nicht gefressen zu werden.

Gefährdung:
Der Kreuzenzian-Ameisenbläuling muss in Baden-Württemberg als stark gefährdet (Rote Liste 2) eingestuft werden. Ursache hierfür ist vor allem der Verlust geeigneter Lebensräume. Aber auch die Bedingungen für Kreuzenzian und Wirtsameise müssen stimmen. Das ökologische Gefüge und komplexe Zusammenspiel von Falter, Ameise und Kreuzenzian muss funktionieren. Nur so kann sich diese hochspezialisierte Schmetterlingsart fortpflanzen. Ursachen für seinen Rückgang sind einerseits die Intensivierung der Grünlandnutzung mit Düngung und häufigem Schnitt und andererseits die Nutzungsaufgabe und das Verbuschen der Magerrasen und Heiden.

Was kann man tun, um dieser Art zu helfen?
Notwendig sind auf die Biologie des Falters, des Kreuzenzians und der Wirtsameise abgestimmte Pflegekonzepte auf Heiden und Halbtrockenrasen. Der Kreuzenzian-Ameisenbläuling erfährt daher im Artenschutzprogramm (ASP) des Landes Baden-Württemberg besondere Beachtung. Die Vorkommen werden kontrolliert und auf die Bedürfnisse dieser Lebensgemeinschaft abgestimmte Pflegemaßnahmen durchgeführt. Ohne diese Maßnahmen würden auf den Heiden und Magerrasen Bäume und Sträucher aufkommen, der Lebensraum für den Kreuzenzian-Ameisenbläuling wäre verloren. Die oft steilen Hänge müssen gemäht und aufkommende Gehölze beseitigt werden. Eine wichtige Rolle zur Offenhaltung spielt auch die kontrollierte Beweidung mit Schafen. Daher helfen auch alle Maßnahmen, die die lokale Schäferei unterstützen, letztendlich dem Kreuzenzian-Ameisenbläuling.



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Letzte Änderung: 07.07.2011