Pressemitteilung vom 16.08.2011
Naturschutzgebiet Mehlberg feiert 25. Geburtstag
Regierungsvizepräsident Dr. Christian Schneider: „Selten artenreicher Standort auf kleinstem Raum“
Das Naturschutzgebiet Mehlberg liegt im mittleren Taubertal, westlich von Unterbalbach, nahe der Stadt Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis). Am Südostsporn, zum Alstertal hin, weist der 349 Meter hohe, größtenteils bewaldete Mehlberg eine Rodungsinsel auf, die 1986 durch das Regierungspräsidium Stuttgart zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. „Aufgrund seiner vielfältigen Biotope, die für viele Wärme liebende Tiere und Pflanzen günstige Lebensbedingungen bieten, wurde das Naturschutzgebiet Mehlberg vor 25 Jahren unter Schutz gestellt“, erläuterte Regierungsvizepräsident Dr. Christian Schneider. „Dieses 25-jährige Bestehen wollen wir nutzen, um auf die seltene Flora und Fauna des Gebiets hinzuweisen.“
Flachgründige Böden, starke Sonneneinstrahlung und geringe Niederschläge in der Vegetationsperiode – nur circa 150 Millimeter von Mai bis Juli – bestimmen den Trockencharakter des Naturschutzgebiets Mehlberg. Bis etwa 1900 wurde hier Wein angebaut, worauf einzelne noch vorhandene Trockenmauern hinweisen. Der nachfolgende Obstbau war wenig lohnend. Da diese Flächen nur geringe wirtschaftliche Bedeutung besitzen, werden sie seit Jahrzehnten nur noch unregelmäßig oder gar nicht mehr genutzt. So konnten sich hier wertvolle Bereiche für den Arten- und Biotopschutz entwickeln.
„Vergleichbar artenreiche Standorte auf kleinstem Raum sind selbst im Taubertal eher selten“, so Schneider. Wacholder und zahlreiche Orchideenarten findet man in oberen und mittleren Partien des Südhangs. Sonst eher an Gehölzrändern vorkommende Stauden wie Ästige Graslilie, Berg-Leinblatt, Kamm-Wachtelweizen und Kalk-Aster wachsen hier begünstigt durch die fehlende Nutzung des Gebiets. In den steilen Ost- und Südosthanglagen sind Saumgesellschaften – Übergang von Gehölzen zu Magerrasen – entstanden, die zu den blüten- und artenreichsten Beständen des Schutzgebiets gehören. In jenen verbuschten Bereichen kommen Berg-Kronwicke, Rauer Alant und Hirsch-Haarstrang vor. Am Unterhang sind Streuobstbestände mit blütenreichen Salbei-Glatthafer-Wiesen verbreitet. Einzelne Feldhecken und Trockenmauern stellen weitere Biotoptypen dar. Im Norden des Gebiets befindet sich ein lichter Bestand aus Schwarz- und Wald-Kiefern, an welchen sich Bestände aus Rotbuche, Stiel-Eiche, Mehlbeere und Elsbeerbaum anschließen.
„Die Fauna ist zwar nicht abschließend erfasst, dennoch zeigt sich, dass das Gebiet aufgrund seines Blütenreichtums sehr bedeutsam für über 84 Arten an Tagfaltern und Widderchen ist“, bemerkte der Regierungsvizepräsident. „Des Weiteren kommen über 60 Vogelarten und zehn für den Lebensraum typische Heuschreckenarten vor. Auch der seltene Libellen-Schmetterlingshaft hat hier seinen Lebensraum.“
Um die Biotopvielfalt und den Artenreichtum langfristig zu erhalten, wird das Gebiet durch den Landschaftspflegeverband Main-Tauber gepflegt. „Die Verbuschung der Offenlandbereiche muss aufgehalten werden, auch wenn sie am Mehlberg im Vergleich zu anderen Schutzgebieten im Raum Lauda-Königshofen aufgrund der extrem trockenwarmen Bedingungen eher langsam fortschreitet“, so Schneider. Ein Pflege und Entwicklungsplan zeige konkrete Maßnahmen zur Erhaltung der verschiedenen Biotoptypen auf.
Der Mehlberg liegt am Radwanderweg Liebliches Taubertal. Im Schutzgebiet sind die Wege teilweise verwachsen, was sie in diesen Bereichen für Besucher unzugänglich macht.
Ein Faltblatt des Regierungspräsidiums Stuttgart informiert über alle Naturschutzgebiete im Main-Tauber-Kreis und ist im Landratsamt Tauberbischofsheim sowie im Regierungspräsidium Stuttgart zu erhalten.
Eine ausführliche Beschreibung dieser wie auch aller übrigen Naturschutzgebiete im Main-Tauber-Kreis findet sich im Buch „Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart“ von Reinhard Wolf und Ulrike Kreh (Hg.), Jan Thorbecke, Verlag, Ostfildern 2007.
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